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Erfolgreiches Integrationsmodell: Praktika für Asylbewerber

Wenn beim Refugees‘ Day der Funke übergesprungen ist, ist ein Praktikum ideal, um sich näher kennenzulernen. Ein Praktikum zur Berufsorientierung ist für Geflüchtete ab dem 4. Monat nach der Einreise in die Bundesrepublik Deutschland möglich.

Ein Serviceangebot für Arbeitgeber ist dabei, dass der Landkreis Kassel Praktikumsverträge erarbeitet und damit den Betrieben einen Großteil der Verwaltungsarbeit abgenommen hat. Hinter der Initiative, Praktikumsplätze zu schaffen, steht immer der Versuch, Geflüchtete in einen festen Arbeitsplatz oder eine Ausbildung zu bringen. Mit Ausbildungsbeginn im Herbst 2018 kann festgestellt werden, dass dieser Versuch in vielen Fällen wieder erfolgreich war. Sowohl in großen Unternehmen wie auch in kleinen Handwerksbetrieben haben schätzungsweise 70 Geflüchtete ihre Ausbildung begonnen.

Die Einstiegsqualifizierung (EQ) als längerfristiges Praktikum

Vorrangige Intention einer Einstiegsqualifizierungspraktikum (EQ) ist es, jungen Menschen, die bisher keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, Gelegenheit zu geben, berufliche Handlungsfähigkeit zu erlangen bzw. zu vertiefen.
Gleichzeitig bietet ein EQ-Praktikum dem Ausbildungsbetrieb die Möglichkeit, den jungen Menschen nicht nur in einem kurzen Bewerbungsgespräch kennenzulernen, sondern seine Fähigkeiten und Fertigkeiten über einen Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten im täglichen Arbeitsprozess beobachten zu können. Mit dieser Art des Praktikums, das auch Geflüchteten offen steht, kann der Betrieb ihre Leistungsfähigkeit besser einschätzen und mögliche Bedenken abbauen.

Es gibt mittlerweile sehr viele unterschiedliche Förderprogramme und Unterstützungsangebote – wir helfen gern, wenn Unternehmen aus unserer Region auf der Suche nach Arbeitskräften mit Flüchtlingshintergrund sind:
Bijan Otmischi, Integrationsmanager Landkreis Kassel
Telefon: 0561 1003-1655
E-Mail: Bijan-Otmischi@landkreiskassel.de.

Ein wichtiger Baustein: das Qualifizierungsprojekt 15+5

Jungen Geflüchteten im Alter zwischen 20 und 30 Jahren werden im Rahmen dieses Projekts intensiv in ihren Sprachkenntnissen geschult. Ein weiteres Qualifizierungsmodul ist die Berufsorientierung. Hier werden die teilweise noch unklaren Vorstellungen der Geflüchteten über ihre Chancen am deutschen Arbeitsmarkt zusammen mit den Betroffenen in eine ihren Fähigkeiten entsprechende Richtung gelenkt. Dabei kann die Arbeitsförderungsgesellschaft im Landkreis Kassel (AGiL) auf die über 20-jährige Erfahrung in der passgenauen Qualifizierung von jungen Menschen in den Arbeitsmarkt profitieren.

Als weiteres Modul kommt im Anschluss die konkrete Berufsvorbereitung mit berufsorientierten Sprachunterricht zum Zug. Den Abschuss der Projektphase bildet eine fünfmonatige Praktikumsphase in lokalen Betrieben, bei denen die Flüchtlinge von kompetenten Ansprechpartnern betreut werden, die auch für die Betriebe als zentrale Anlaufstelle fungieren.

Am Ende von 15+5 haben die Projektteilnehmer ein Sprachniveau, mit dem sie eine duale Ausbildung in Deutschland starten können. Sie verfügen über erste Erfahrungen in Betrieben und sie werden bei der Suche nach einem Ausbildungs- oder Arbeitsplatz begleitet.
Das vom Land Hessen und vom Landkreis Kassel geförderte Projekt nutzt sowohl den Arbeitsuchenden wie auch den Arbeitgebern, denn die Firmen können sich auf motivierte und gut vorbereitete junge Menschen freuen.

Kontakt: Selin Gündönüm, Jugendberufshilfe Landkreis Kassel/AGiL gGmbH
Telefon 0561 1003-1861
E-Mail: selin-guendoenuem@landkreiskassel.de

Link zur Website Projekt 15+5
Download Flyer Projekt 15+5 (PDF)

Vom Praktikum zum Ausbildungsplatz

Gute Erfahrungen mit Geflüchteten hat Harald Henne vom „Lindenwirt“ in Oberweser-Weißehütte gemacht. „Wir haben bereits eine Reihe von Praktika durchgeführt und mit Mohammad Masoud haben wir die erste Ausbildung begonnen“.

Der 22-jährige Masoud stammt aus Damaskus, seine Familie lebt größtenteils noch in Syrien; eine Tante lebt in München. „Ich habe einen Integrationskurs in Hofgeismar besucht und ein Praktikum hier im Lindenwirt gemacht“, berichtet Masoud. Ab November 2016 war er in einem EQ-Praktikum, das jetzt in eine Ausbildung als Koch übergegangen ist.

Masoud: „Ich habe zuerst in der Gemeinschaftsunterkunft am Mühlenplatz gewohnt, seit November 2016 wohne ich in einer eigenen Wohnung in Gieselwerder“. Über das Jobcenter Landkreis Kassel erhält Masoud eine Förderung zum Erwerb des Führerscheins. Er hofft auf die Trinkgeldfreudigkeit der Gäste im Lindenwirt, um Geld für ein eigenes Auto zu sparen.