8. Refugees‘ Day am 16. Mai 2018

Der 8. Refugees‘ Day in der Region Kassel

Dieses Mal waren 19 Geflüchtete bei Unternehmen und Institutionen im gesamten Landkreis und in der Stadt Kassel unterwegs. Die Bandbreite der Angebote reichte von Hospitationen bei der Gastronomie über Mitarbeit in Handwerksbetrieben bis zu unterschiedlichen Anbietern im Gesundheits- und Pflegebereich.

Daniel Fkerabe Tesfaye machte den Refugees Day zur Refugees‘ Night. Schon um 23:00 Uhr begann sein Praktikum in der Gutsbäckerei Kragenhof, in der die Brote nach alter Tradition gebacken werden. Trotz technisch hochwertiger Ausstattung hat dort die Hand, das wichtigste Werkzeug des Bäckers, im Produktionsablauf einen hohen Stellenwert.

Nawroz Fakuri füllte zu Beginn des Praktikumstags beim Neukauf zusammen mit dem Inhaber die Kühlregale auf. Außerdem bekam er Einblicke in die weiteren täglichen Aufgaben wie Kassieren etc.

Deniz Zekis Wunsch war es, an diesem Tag in einer Hotelrezeption zu arbeiten. Im Renthof ging sein Wunsch in Erfüllung (hier links am PC). Da er in seiner Heimat als Englischlehrer gearbeitet hatte, konnte er mit englischsprachigen Gästen perfekt kommunizieren und hatte sehr viel Freude dabei.

Sayed Taghi Nabizada half aktiv beim Programm der Tagespflege. Hier teilt er gerade Bildkarten an die Teilnehmer aus, die den dargestellten Begriff erraten sollen.

Ahmad Sha Hussaini erwies sich beim Polstern als sehr talentiert. Nicht unwesentlich trägt sein erlernter Beruf als Täschner dazu bei. Mit Lisa Brede-Leimbeck, Raumausstattergesellin und Kundenbetreuerin, fachsimpelte er über die Auswahl von Stoffen und Leder.

Einen Tag mit anpacken

Die HNA Kreis Kassel, Amira El Ahl, berichtete über den Refugees‘ Day.

KREIS KASSEL: Die Wörter Knieorthese oder Griffhilfe gehören nicht unbedingt zum Wortschatz eines Menschen, der gerade eine neue Sprache lernt. Und wer ehrlich zu sich ist, wird zugeben, dass er vermutlich auch dann nicht solche Fachbegriffe beherrscht, wenn er flüssig eine Fremdsprache spricht. Auch für Farahnaz Hashimi sind orthopädische Fachbegriffe auf Deutsch Neuland, und so schreibt die 28-jährige Afghanin an diesem Tag fleißig alle neuen Wörter in ihr blaues Notizheft auf, die sie lernt. Für einen Tag ist sie Praktikantin im Sanitätshaus Wilhelmshöhe und wird dort von Mitarbeiterin Yvonne Decker in die Welt der Orthopädie eingeführt.

Möglich macht das der Refugees’ Day, den der Landkreis Kassel nun schon seit vier Jahren organisiert. „Unsere Idee setzt beim Girls’ und Boys’ Day an“, sagt Bijan Otmischi, Integrationsmanager des Landkreises Kassel. Erfunden hat den Refugees’ Day der Landkreis Kassel, Kooperationspartner sind die IHK Kassel-Marburg und die Handwerkskammer Kassel. Die Idee ist, dass Flüchtlinge einen Tag lang in die Arbeitswelt hineinschnuppern können, „und vielleicht ergibt sich daraus ein Praktikum oder mehr“, sagt Otmischi.

Lernt viel Neues kennen: Farahnaz Hashimi (links) aus Afghanistan schnupperte für einen Tag im Sanitätshaus Wilhelmshöhe in den Betrieb hinein und wird dabei von der Mitarbeiterin Yvonne Decker (rechts) begleitet. Bijan Otmischi, Integrationsmanager des Landkreises Kassel, begleitet das Programm seit vier Jahren (Foto: Amira El Ahl).

Der Erfolg gibt den Organisatoren recht. „60 bis 70 Prozent derer, die mitmachen, kommen danach in ein Praktikum, eine Beschäftigung oder eine Ausbildung“, sagt Otmischi. Der Refugees’ Day sei ein Türöffner, der Menschen zusammenbringe und den Geflüchteten einen Einblick in deutsche Betriebe ermögliche. Bereits zum achten Mal fand der Refugees’ Day gestern statt, und insgesamt waren 19 Geflüchtete bei Institutionen und Unternehmen im gesamten Landkreis und in der Stadt Kassel unterwegs. Von Bad Karlshafen bis Bad Emstal waren sie im Gesundheits- und Pflegebereich, in Metallbaubetrieben oder der Gastronomie am Start.

Farahnaz Hashimi stand um Punkt 9 Uhr vor dem Sanitätshaus, um ihren Arbeitstag zu beginnen. Eine halbe Stunde zu früh, wie sie dann feststellte. Aber lieber zu früh als zu spät, das hat sie in den fast vier Jahren, die sie mittlerweile in Deutschland lebt, schon gelernt. Ihr Traum ist es, als Hebamme oder Krankenschwester zu arbeiten. In ihrer Heimatstadt Herat hat sie bereits drei Semester studiert, um Hebamme zu werden, bevor sie mit ihrer Familie nach Deutschland floh. Ihre Abschlüsse werden hier jedoch nicht anerkannt. „Ich fange noch mal bei Null an“, sagt Hashimi. Nach ihren Deutschzertifikaten möchte sie den Hauptschulabschluss machen, um dann die Ausbildung zu beginnen. „Dabei unterstützen wir sie“, sagt Otmischi.

Derzeit nimmt sie an dem Modellprojekt „Duale Ausbildung für Geflüchtete fördern“ des Landkreises Kassel teil, das junge Geflüchtete fördert und begleitet. Koordiniert wird das Projekt von der Arbeitsförderungsgesellschaft im Landkreis Kassel (AGiL). Am Montag wird die Projektkoordinatorin Selin Gündönüm mit den Teilnehmern im Unterricht über ihre Erfahrungen beim Refugees’ Day sprechen. „Bei Interesse setzen wir uns mit dem Betrieb zusammen und schauen, ob da auch langfristig eine Zusammenarbeit entstehen kann“, sagt Gündönüm.

Für die Unternehmen sei der Refugees’ Day völlig unverbindlich, „deshalb machen auch alle mit“, sagt Otmischi. „Es geht einfach darum, Menschen zusammenzubringen.“

(HNA Kreis Kassel, 17.05.2019)